G-REIT langfristig eine Erfolgsgeschichte?

Bereits in der Börsenzeitung vom 2.10.2008 äußerte sich Elamine zur möglichen künftigen Entwicklung des G-REITs. Als Vorstandsvorsitzender der Alstria Office REIT-AG berichtet er vorwiegend von den Vorteilen der Anlageform des Real Estate Investment Trusts, greift aber auch den Kritikpunkt der hohen Volatiliät auf.

Zunächst werden die weltweit zentralen Merkmale eines REIT aufgegriffen und auf die Unterschiede in der Steuergesetzgebung hingewiesen. Etwa handele sich normalerweise um ein börsennotiertes Unternehmen, das sich auf Immobilien fokussiert, steuerlich transparent ist und einen Großteil seines Gewinns als Dividende ausschütten muss. In Europa gebe es REITs in den Niederlanden, Belgien, Frankreich Großbritannien, Italien und natürlich Deutschland, wo die Alstria Office REIT-AG der größte REIT im Markt sei. In jedem Land, habe sich das REIT-Konzept als Erfolg erwiesen, da es die zwei großen Probleme der direkten Immobilieninvestition, nämlich hohe Transaktionskosten und geringe Liquidität, löse. Aufgrund der in Deutschland vorliegenden steuerlichen Transparenz ermögliche der REIT seinen Anlegern genau das Cash-flow-Profil, das bei einer Direktinvestition in Immobilien vorliegen würde. In der Theorie sei der G-REIT damit strukturell so angelegt worden, dass er eine gute Alternative zu direkten Immobilienanlagen darstelle, in der Praxis unterscheide sich der REIT jedoch deutlich im Anlegerprofil, das zwischen gewöhnlichen Aktien und der direkten Immobilienanlage angesiedelt sei. Die Erfahrung habe gezeigt, dass der REIT kurzfristig eher mit Aktien, längerfristig dagegen eher mit Direktinvestments in Immobilien korreliere.

Im Vergleich zu Offenen Fonds in Deutschland wird eine Ähnlichkeit in der Konzeption insofern festgestellt, als beide einem illiquiden Titel Liquiditätscharakteristika verschaffen. In der Erreichung dieses Ziels werde aber ein Unterscheid beider Anlageformen darin deutlich, dass sich der Offene Fonds, der nicht börsennotiert ist, verpflichten müsse, seine Fondsanteile jederzeit zurückzukaufen und hierfür stets eine gewisse Liquidität durch einen hohen Bestand an Barmitteln oder Zahlungsmittel-Äquivalenten in der Bilanz auszuweisen habe; diese Einschränkung gelte für dem G-REIT nicht, da Liquidität einer REIT-Aktie über den Aktienmarkt jederzeit gewährleistet sei. Im Ergebnis benötige ein Offener Fonds für jede Immobilienbeteiligung mindestens 5 % mehr Eigenkapital zur Einhaltung seiner Vorschriften zur Mindestliquidität. Gemäß einer im Journal of Real Estate im Jahr 2006 veröffentlichten Studie halte ein deutscher Offener Fonds im Durchschnitt 30,8 % seines Net Asset Value (NAV - geschätzter Wert aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten) als liquide Mittel. Würde man dieses Verhältnis etwa auf die Alstria Office AG übertragen, würde dies Barmittel von rund 240 Mill. Euro bedeuten, die zu Geldmarktrenditen vorgehalten werden müssten. Stattdessen sei diese Summe in soliden Immobilien angelegt, die eine entsprechende Immobilienrendite erbringen würden.

Hinsichtlich des Vorteils eines REITs bezüglich der niedrigen Transaktionskosten wird auf die beim Kauf der Anteile eines Offenen Fonds im Gegensatz dazu anfallende Gebühr in Höhe von etwa 5 % eingegangen. Ein Kleinanleger der z. B. 100 Euro in einen Offenen Fonds investiere, erhalte letztendlich nur Anteile im Wert von 95 Euro, bei einem Investment in einen G-REIT erhalte der gleiche Anleger hingegen rund 99,5 Euro an Anteilen (bei unterstellten Transaktionskosten von durchschnittlich 0,5 %). Elamine nimmt an, dass jeder in Deutschland investierende Offene Fonds seinen Anteilseignern bei ansonsten gleichen Bedingungen erheblich bessere Renditen erbringen könnte, wenn man ihn in einen REIT umwandeln würde, da ein REIT ungeachtet der verwendeten Kapitalstruktur für das gleiche Portfolio weniger Kapital benötigen würde.

In Bezug auf einen der größeren Kritikpunkte an G-REITs, der Aktienkurs sei sehr volatil, stimmt der Autor zu. Zwischen Volatilität und Liquidität bestehe zwar ein direkter Zusammenhang, jedoch spiele für den langfristigen Anleger Volatilität keine Rolle, da diese per definitione lediglich die kurzfristige Bewegung um die durchschnittliche langfristige Rendite darstelle. Da sowohl REITs als auch Offene Fonds auf langfristige Anleger zugeschnitten seien, dürfe die Volatilität nicht von Bedeutung sein. Außerdem sei die mangelnde Volatilität der Offenen Fonds zugleich eine der größten Schwachstellen dieser Assetklasse, da in Erwartung massiver Verluste plötzlich die Rückgabe von Anteilen einen solchen Umfang annehmen könne, dass der Fondsmanager gezwungen sei, die Rücknahmemöglichkeit einzuschränken und zu diesem Zeitpunkt für den Anleger keine Liquidität mehr gewährt sei.

In der Gesamtschau der genannten Argumente sei bei langfristiger Betrachtung von Immobilien-Renditen der REIT dem Offenen Fonds strukturell und leistungsmäßig überlegen, weshalb der G-REIT eine Erfolgsgeschichte sein werde.