Erneut: G-REIT erfolgreich, nur später

In einem Special "Immobilienaktien 2008" der Zeitschrift Smart Investor geht Wollnik auf die Perspektiven des G-REIT-Marktes ein (S. 15 f.). Er rechnet langfristig mit einem Erfolg des REITs am deutschen Kapitalmarkt, nennt allerdings die Genesung des Kapitalmarktumfelds sowie Nachbesserungen am REIT-Gesetz (REITG) als notwendige Voraussetzungen dafür. Hinsichtlich der deutlichen Abschläge auf den Net Asset Value (NAV) weist der Autor darauf hin, dass die im CDAX gelisteten Unternehmen seit Januar 2007 im Schnitt 10 % eingebüßt hätten, die Titel des EPRA, d. h. des internationalen Immobilienaktienindexes, in Deutschland im gleichen Zeitraum jedoch etwa 45 %. Die sich infolge der sehr guten Performance im Jahr 2007 ergebenen Abschläge seien zwar fällig gewesen, würden aber weitergehende Fragen aufwerfen.

Erstens: Spiegeln die niedrigen Aktienkurse eine Übertreibung nach unten wider oder werden in den Kursen lediglich die absehbaren wirtschaftlichen Risiken eingepreist? Letztlich steht hinter dieser Frage die Überlegung, ob sich die Aktienkurse den NAVs annähern werden oder umgekehrt die NAVs den Aktienkursen. In Bezug auf die Bewertung der Immobilien in den Portfolien der Unternehmen sei mit Blick auf die Halbjahreszahlen und der Kommentare dazu oberflächlich zunächst ein scheinbarer Einbruch des deutschen Immobilienmarktes festzustellen. Die sei im Ergebnis aber nicht der Fall; Immobilienmärkte verliefen zyklisch und die Preise auf den Immobilieninvestmentmärkten seien infolge des günstigen Konjunkturverlaufs der letzten Jahre sowie nahezu idealer Finanzierungsbedingungen gestiegen. Durch die aktuelle Finanzmarktkrise seien die zu erwartenden Preiskorrekturen früher als ursprünglich erwartet eingetreten, ein Preisverfall wie in den USA habe sich aber nicht eingestellt. Dies liege insbesondere daran, dass die Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt bei weitem nicht so stark in die Höhe getrieben wurden. Insofern sei auch in den kommenden Quartalen nicht mit einem Einbrechen der Immobilienpreise zu rechnen. Die negativen Implikationen der abgeschwächten Konjunktur sowie das geschwächte Umfeld für Finanzierungen sei bereits weitgehend eingepreist. Die Aktienkurse sollten nach Erwartung des Autors mittelfristig ansteigen und sich die NAVs annähern. Das gelte eher für sogenannte Bestandshalter als für Unternehmen, die vom Immobilienhandel oder der Projektentwicklung leben, da diese die verhaltenen Aktivitäten auf den Transaktionsmärkten noch eine Zeit lang zu spüren bekommen würden.

Zweitens, fragt sich Wollnik, wie sich der G-REIT entwickeln wird, wenn sich die Lage an den Kapitalmärkten normalisiert hat und die Abschläge zurückgegangen sind. In erster Linie sei die Entwicklung des G-REITs dann vom REITG abhängig. Die Hauptkritikpunkte am REITG seien der Ausschluss von Bestandsmietwohnimmobilien, die unzureichende Absicherung des REIT-Status gegenüber Dritten sowie die Pro-
blematik der Doppelbesteuerung von Einkünften aus Direktinvestitionen in ausländische Immobilien, Auslandsobjektgesellschaften und REIT-Dienstleistungsgesellschaften. Jenes Problem der Doppelbesteuerung hätte eigentlich mit dem Jahressteuergesetz 2009 gelöst werden sollen, sei im Juni mit Beschluss durch das Bundeskabinett jedoch nicht umgesetzt worden. Ferner solle die Exit-Tax-Regel um zwei Jahre, also bis 2011, verlängert werden, da bei Erlass des REITG im Jahre 2007 die aktuelle Entwicklung auf den Kapitalmärkten nicht vorherzusehen gewesen sei. Ebenso sei für Vor-REITs eine Verlängerung der Frist zum Börsengang unabdingbar. Neben den genannten Schwierigkeiten des REITG bzw. des Kapitalmarktes seinen aber speziell auch die deutschen Real-Estate-Unternehmen für den Erfolg des REITs verantwortlich; sie müssten bezüglich einer überzeugenden Equity-Story, ihrer Transparenz sowie ihres Marketings nachbessern.