Aufwind der Immobilienaktien/G-REITs

In der Ärzte Zeitung vom 2.2.2009 ist zu lesen, dass langfristig orientierten Anlegern der Einstieg in ausgewählte Immobilienaktien bzw. Aktien deutscher Real Estate Investment Trusts zu empfehlen sei (S. 14). Die Empfehlung resultiere aus den mitunter hohen Kursverlusten der vergangenen zwei Jahre; nun seien viele Papiere wieder attraktiv bewertet.

Gem. Berechnungen von Global Property Research (GPR) seien die Börsenkurse deutscher Immobiliengesellschaften seit Anfang 2007 im Schnitt um 77,5 % gefallen. Seit dem ebenfalls erfolgten herben Kurseinbruch an den Aktienmärkten im November des Jahres 2008 hätten die Papiere der Immobilienaktiengesellschaften bzw. G-REITs allerdings Kursgewinne von durchschnittlich 42 % erzielt. Damit hätten sie deutlich besser abgeschnitten als der Deutsche Aktienindex (DAX). Letztlich seien die Kurse der Papiere weit stärker gefallen als die Immobilienpreise der von den Gesellschaften gehaltenen Immobilien, so dass ein gewisser Ausverkauf zu verzeichnen gewesen sei (vgl. hierzu bereits Blog-Eintrag vom 7.12.2008 und vom 4.11.2008)

Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe, rät jedoch davon ab, jetzt noch in Immobilienaktien einzusteigen, die seit dem Tief im November 2008 signifikante Kursgewinne verzeichnet haben. Etwa die Börsennotierungen von Aktien wie Deutsche Wohnen (ISIN: DE000A0HN5C6) und Gagfah (LU0269583422) hätten sich seit diesem Zeitpunkt zeitweise verdoppelt, so dass das weitere Kurssteigerungspotenzial insofern begrenzt sei. Im Einzelnen biete Gagfah auf dem aktuellen Kursniveau von ca. drei Euro zwar eine Dividendenrendite von rund 26 %, es sei allerdings zu beachten, dass die Gesellschaft im Jahr 2013 einen Kredit über 5,6 Milliarden Euro zu refinanzieren habe. Im Zuge der Finanzmarktkrise sei es nicht abzuschätzen, welche Zinskosten genau auf die Gesellschaft zukommen werden. Daher könne es bei dieser Gesellschaft zu einer deutlichen Kürzung der Dividendenzahlungen kommen.

Mit Skepsis sei nach Auffassung mancher Analysten die Aktie der IVG zu beurteilen, da die Gesellschaft demnächst Kredite über 1,2 Milliarden Euro zu refinanzieren habe. Infolge der Finanzmarktkrise verlangten Banken derzeit hohe Risikozinsaufschläge und die Kreditkosten könnten daher für die IVG deutlich ansteigen.

Zu empfehlen sei, so Neumann wiederum, hingegen die Aktie der DIC Asset (DE0005098404). Einerseits habe die auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Gesellschaft zwar durch die Wirtschaftskrise einen Rückgang der Mieteinnahmen verzeichnen, andererseits sei durch das Unternehmen bereits zuvor eine Abwertung seiner Immobilien in den Büchern vorgenommen worden; insofern resultiere keine Gefährdung der Dividendenzahlung - den fairen Wert der Immobilienaktie sieht der Analyst bei 9,5 Euro, derzeit notiert das Papier unter fünf Euro.

Empfohlen wird ebenfalls der Einstieg in die Aktie von der Alstria Office REIT-AG (DE000A0LD2U1), so Martin, Analyst bei HSBC. Die Gesellschaft habe etwa die Hälfte ihres Büroimmobilienportfolios langfristig an die Städte Hamburg und Hannover vermietet, so dass ein stabiler Kapitalstrom aus Mieteinnahmen gewährleistet sei. Ferner verfüge die Gesellschaft über den steuerlich optimalen Status eines Real Estate Investment Trusts (REIT). Die Gesellschaft muss ihre Gewinne folglich nicht versteuern, sondern zu 90 % an die Aktionäre ausschütten (§§ 16, 13 REITG). Finanzvorstand der Alstria Office REIT-AG Dexne habe bereits angekündigt, dass es bei den in diesem Jahr erfolgenden Dividendenzahlungen für 2008 keine böse Überraschung geben werde, d. h. die Dividende werde mit 28 Millionen Euro auf dem Niveau von 2007 gehalten. Analyst Martin sieht den fairen Kurs der G-REIT-Aktie bei sechs Euro, zurzeit notiere das Papier aber bei rund 4,60 Euro.