G-REITs: Entwicklungstendenzen am Markt

Schlautmann schreibt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Immobilienwirtschaft (06/2008, S. 29) zu den Entwicklungstendenzen am Markt für börsennotierte Immobilienaktiengesellschaften. Trotz des schwachen Marktumfelds, in dem auch künftig nicht mit neuen Börsengängen bzw. REIT-Emissionen zu rechnen sei, sieht er erste Aktivitäten von Anteilseignern, die offensichtlich von einer Erholung des Marktes ausgehen.

Die Strategie dieser am Markt tätigen Anteilseigner zeigt er am Beispiel des größten börsennotierten britischen Wohnungsinvestors Grainger Trust auf, der im Februar 2008 54 % an der Wohnungsgesellschaft Francono Rhein Main erworben hatte und nun eine Privatisierung und den Rückzug von der Börse (Delisting) plant. Grainger hält bereits über 88 % der Anteile der Gesellschaft. Weitere Anteile sollen in den nächsten sechs bis vierundzwanzig Monaten mit dem erklärten Ziel des Delistings der Gesellschaft hinzuerworben werden. Im Falle eines erfolgreichen Delistings hätte Grainger letztlich nur etwa 50 Millionen Euro für ein Portfolio von insgesamt 2.300 Wohnungen gezahlt; der Marktwert des Bestandes wurde nach Angaben der Immobilienzeitung noch im Jahr 2007 auf mehr als 100 Millionen Euro beziffert.

An diesem Beispiel zeigt sich, so Schlautmann weiter, dass die Akquisition strategischer Immobilienbestände in Deutschland im Moment auch über den Erwerb deutscher Immobilienaktien oder Aktien von G-REITs funktionieren kann – dies bestätige sich zudem auch am Verhalten anderer Marktakteure, wie etwa GE Real Estate. Als drittes Beispiel für die tendenzielle Zuversicht der Marktteilnehmer am Immobilienaktienmarkt werden Wandelschuldverschreibungen für die Vivacon AG genannt, die womöglich bald im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt werden.

Kommentar: Anhand der beschriebenen Vorgehensweise von Grainger Trust wird deutlich, wie opportunistische Investoren sich die derzeitige massive Unterbewertung deutscher Immobilienaktien zu Nutze machen und sich zugleich durch Privatisierung der erworbenen Gesellschaft dem Kapitalmarkt entziehen wollen, um die aus der Unterbewertung resultierenden Gewinne selbst vollständig vereinnahmen zu können.